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Schnarchen: lästig oder gar gefährlich?

Das zweifellos immer lästige Schnarchen kommt als Symptom auch regelmäßig bei der gesundheitsgefährdenden obstruktiven Schlafapnoe vor.
Bei Schlafapnoikern kommt es im Schlaf zu Atempausen, weil die Atemwege über kurze Zeit beim Einatmen zusammenfallen. Genau genommen ist es der zum Atmen in den Lungen entwickelte Unterdruck, der dazu führt, dass sich die Wände der Atemwege an bestimmten Stellen der oberen Luftwege annähern und zusammenhaften (kollabieren). Erst wenn der Sauerstoffbedarf größer wird und die Atemanstrengungen immer stärker werden, kommt es über das zentrale Nervensystem zu einer Ausschüttung von Streßhormonen mit einer Aufwachreaktion und dabei wird der vorübergehende Kollaps überwunden. Dann wird der Unterdruck begleitet von einem sehr lauten Schnarchen ausgeglichen.
Einige wenige Atempausen in der Nacht sind durchaus als normal zu werten. Ab 20 Atempausen pro Stunde Nachtschlaf ist aber sicher eine Behandlung anzustreben.
Der Betroffene ist in der Regel
-
 deutlich übergewichtig,
- klagt
 in der Regel über außergewöhnliche Tagesmüdigkeit
- hat eine Einschlafneigung in monotonen Situationen,
- morgendliche Kopfschmerzen,
- Konzentrationsschwäche,
- Leistungsabfall etc.
Besonders gefährlich sind solche Zustände im Straßenverkehr, oder an Maschinen.

Man schätzt, dass ein Drittel der Verkehrsunfälle und evtl. sogar mehr auf Müdigkeit zurückzuführen sind. Studien haben außerdem gezeigt, dass die Schlafapnoe zu einer deutlich erhöhten Häufigkeit von Schlaganfällen oder Hirnschlägen führt.

Die meisten "Schnarcher" verursachen jedoch nur eine Belästigung ihrer Umgebung und hier insbesondere der Lebenspartner, diese Form nennt man habituelles Schnarchen.

Sie sind sich nicht sicher zu welcher Gruppe Sie gehören?
Diese Frage läßt sich heutzutage mit einer einfachen häuslichen Untersuchung eindeutig klären. Mit einem tragbaren Gerät, das wir Ihnen in der Praxis anlegen, kann zu Hause ein Apnoescreening durchgeführt werden, welches dann die Zuordnung in störendes Schnarchen oder Schlafapnoe erlaubt.

Sie sind wahrscheinlich Schlafapnoiker und wollen wissen welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie in Frage kommen?
In aller Regel wird man Ihnen bei Übergewicht zu einer langsamen und dauerhaften Gewichtsreduktion raten. Sie sollten abendlichen Alkoholkonsum meiden, regelmäßige Schlafzeiten einhalten, abends keine großen Mahlzeiten zu sich nehmen.
Bei einer deutlichen Schlafapnoe, was Ihr Arzt am Apnoe-Index und am Abfall der Sauerstoffkonzen-tration ermessen kann, wird ein sogenanntes CPAP-Gerät notwendig sein. Dies ist ein Gerät das einen erhöhten Luftdruck erzeugen kann. Dieser Druck wird mit einer speziellen Maske und einem Schlauch auf Ihre Atemwege übertragen. Die Anpassung erfolgt im Schlaflabor.
Haben Sie keine Angst vor dem CPAP-Gerät! Wenn Sie es wirklich brauchen sollten, wird der Gewinn an Lebensqualität durch das Ausgeschlafensein die Unannehmlichkeiten des Geräts bei weitem ausgleichen. Sollten Sie kein Gerät tragen können (Platzangst, Unverträglichkeit, etc.) gibt es Möglichkeiten mit Aufbißschienen oder Operationen das Leiden zu mildern.

Sie haben keine Schlafapnoe wollen aber Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner zuliebe endlich Ihr habituelles Schnarchen behandeln lassen?
Hier gibt es inzwischen sehr gute Möglichkeiten, die ich Ihnen am Ende vorstellen will. Zunächst kommt aber auch bei harmlosen Beschwerden eine umfassende Untersuchung.
Für Ihren Arzt gilt es festzustellen, wo das Schnarchgeräusch entsteht und welche Faktoren hierbei eine Rolle spielen. Hierzu zählen:
- Nase: Bei etlichen Patienten liegt, trotz des Eindrucks gut atmen zu können, bei objektiver Flussmessung eine deutliche Behinderung der Atmung vor. Wie sollen Sie das auch merken? Sie kennen ja nur ihre eigene Nase! Wie könnte man da vergleichen. Schäden durch eine chronische Nasenatmungsbehinderung stellen sich wohl auch erst spät ein, z.B. in Form chronisch trockener Schleimhäute in Rachen und Kehlkopfbereich. Ursache der behinderten Nasenatmung ist hierbei meist eine deutlich verbogene Nasenscheidewand oder stark vergrößerte Nasenschwellkörper (Nasenmuscheln).
- Nebenhöhlenerkrankungen: Auch diese können zu wiederkehrenden oder dauerhaften Schleimhautschwellungen der Nase führen.
- Allergien: Hierbei kommt es saisonal oder ganzjährig zu einer vermehrten Schleimproduktion, zur Schleimhautschwellung, evtl. auch zu trockener Schleimhaut. Der Niesreiz ist bei saisonaler Allergie regelmäßig, bei Milbenallergien allerdings eher selten vorhanden.
- Vergrößerte Nasenrachenmandeln: Führen bei Kleinkindern häufig zu Schnarchen und dann auch oft zu einer Störung der Funktion der Nasen-Ohr-Verbindung, der Eustachischen Röhre, mit entsprechender Hörminderung.
- Langes Gaumensegel: Dabei ist dann die Kontaktstrecke zur Rachenhinterwand verlängert und es kommt leichter zum Schnarchen. Manchmal ist das Gaumensegel übermässig lang.
- Überlanges Zäpchen (Uvula): Dieses kann dann besonders in Rückenlage angesaugt werden. Gelegentlich kommt es in der Folge zu einer weiteren Anschwellung des Zäpfchens, welches als beängstigend empfunden werden kann. Letzteres darf nicht mit dem allergischen oder hereditären Quincke-Ödem verwechselt werden.
- Große Tonsillen (Gaumenmandeln): Die Mandeln engen dann den Atemraum im Mundrachenbereich deutlich ein.
- Große Zunge: Insbesondere im hinteren Anteil, im sogenannten Zungengrund, wirkt dies als deutliches Atemhindernis. Das Schnarchgeräusch ist hierbei hochfrequent.
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Kehlkopfanomalien: Diese sind eine seltene Ursache bei Schnarchen. Dennoch waren auch schon Larynxpolypen ursächlich bei Schnarchen mitbeteiligt.
- Gewichtssituation: Bei deutlichem Übergewicht lagert sich das Fett auch im Hals-Rachenbereich ab und engt damit die Atemwege ein.

Erst wenn die Untersuchung alle Faktoren beleuchtet hat kann eine sinnvolle und damit erfolgreiche Therapie erfolgen.

In den meisten Fällen wird eine schonende Behandlung mit dem RFITT-Verfahren (RadioFrequenz-Induzierte Thermo-Therapie) durchgeführt werden können. Hierbei wird über eine spezielle bipolare Sonde ein extrem hochfrequenter Wechselstrom in der Tiefe des Gaumensegels angelegt. Dieser führt über eine Gewebeerwärmung zu einer Eiweißausfällung (Koagulation) und damit zur Ausbildung einer kleinen Narbe. Die Größe der Koagulation lässt sich vorher festlegen und wird über Impedanzmessung im Gewebe gesteuert. Der Eingriff erfolgt in lokaler Betäubung in der Praxis. Im Gegensatz zu den früher üblichen Eingriffen mit Laser oder Skalpell entstehen dabei in aller Regel keine nennenswerten Schmerzen. Die Vernarbung tritt innerhalb von 4-6 Wochen ein. In der Regel sind 2 Behandlungssitzungen im Abstand von 6 Wochen notwendig um das gewünschte Ziel zu erreichen. Durch das schonende Vorgehen sind schwerwiegende Komplikationen nahezu vollständig auszuschließen, weil bei dem Verfahren kein Gewebeverlust wie bei einem Lasereingriff oder klassisch chirurgischen Vorgehen entsteht.
Es gibt aber auch Faktoren, die ein Vorgehen mit dem RFITT-Verfahren nicht sinnvoll erscheinen lassen.

Jüngst hat eine Untersuchung an der Universität Zürich eine interessante Beobachtung zutage gefördert. Offenbar scheint das Erlernen und regelmäßige Spielen des Didgeridoos, die Eukalyptus-Röhre der australischen Aborigines, einen positiven Einfluß auf die Schwere der Störungen bei leichtgradigem Schlafapnoe-Syndrom zu haben. Vielleicht kann diese unorthodoxe “Therapie” zukünftig Einzug in die Behandlungsverfahren bei dieser Erkrankung haben (BMJ vom 23.12.2005)!